Bedeutung der pflegenden Angehörigen
Pflegende und betreuende Angehörige stellen einen unverzichtbaren Pfeiler der schweizerischen Gesundheitsversorgung dar. Im Jahr 2017 haben 13 % der Bevölkerung aus gesundheitlichen Gründen Hilfe von Verwandten, Bekannten oder der Nachbarschaft erhalten. Dieser Anteil, der bei den Frauen höher ist, steigt ab dem Alter von 75 Jahren stark an. Am häufigsten wurde Hilfe bei Alltagsaktivitäten wie dem Erledigen des Haushalts oder der Einkäufe geleistet.
Der Anteil der Personen, die anderen Personen mit gesundheitlichen Problemen unentgeltlich helfen, ist bei den 45- bis 64-Jährigen am höchsten. 9% der 75- bis 84-Jährigen und 25% der 85-Jährigen und Älteren haben 2017 professionelle, von Spitexdiensten geleistete Hilfe und Pflege zuhause in Anspruch genommen. Diese sind jedoch kein Ersatz für informelle Hilfe: 59% der Personen, die Spitexleistungen in Anspruch nehmen, erhalten zusätzlich noch informelle Hilfe. Das freiwillige Engagement der schätzungsweise 600 000 betreuenden Angehörigen im Wert von rund 3,71 Milliarden Franken pro Jahr entlastet das Budget der öffentlichen Hand enorm.
Die Anzahl Personen, die Betreuungs- und Pflegeleistungen für Angehörige erbringen, ist vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2013 tendenziell gesunken. Dieser Rückgang ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass weniger Personen ausserhalb ihres Haushalts für Angehörige sorgen. Die Zahl der Personen, die mit pflege- und betreuungsbedürftigen Angehörigen im selben Haushalt wohnen, ist relativ stabil geblieben. Die Zahl der Personen, die Spitex-Leistungen beziehen, ist im selben Zeitraum gestiegen. Ebenfalls kontinuierlich zugenommen hat die Anzahl der über 64-Jährigen in der Bevölkerung.
Die Bedeutung der innerfamiliären Betreuung und Pflege wird als Folge der demographischen Veränderungen sowie der Personalknappheit hinsichtlich des Pflegefachpersonals in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zunehmen. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der demographischen Veränderungen und dem damit zusammenhängenden Anstieg der Pflegekosten von derzeit CHF 11 Milliarden (2020) auf 19 Milliarden (2040) ist die Gesundheitspolitik gefordert, nicht nur die benötigten, zunehmend ambulanten Pflegeleistungen zur Verfügung zu stellen und zu finanzieren.
Studien und Publikationen betreffend die Angehörigenpflege:
- 2024: Sozialrechtsanwalt verzeigt Kesb Glarus - Bericht (Südostschweiz)
- 2024: Dieser Anwalt kämpft für pflegende Angehörige - Bericht (Südostschweiz)
- 2024: Selbstbestimmtes Leben - auch mit einer Autismus-Störung - Wie diese Glarner Mutter für ihren Sohn mit Behinderung kämpft - Bericht (Sonntagszeitung)
- 2024: Mutter darf für die Pflege ihres Sohns 15'000 Franken im Monat verrechnen - Bericht (Sonntagszeitung)
- 2023: Hardy Landolt, Professor für Sozialversicherungsrecht, im Gespräch - Beitrag in der Sendung Kassensturz vom 19.12.2023
- 2023: Anstellung von pflegenden Angehörigen durch Spitex und private Organisationen. Wie positioniert sich der Bundesrat zu dieser Entwicklung? - Interpellation (Die Bundesversammlung - Das Schweizer Parlament)
- 2023: Schadet die Abgeltung der Grundpflege, die durch Angehörige ohne spezifische Ausbildung erbracht wird, der Qualität? - Interpellation (Die Bundesversammlung - Das Schweizer Parlament)
- 2022: Care sei Dank - Bericht zum Tag der pflegenden Angehörigen (Fridolin)
- 2022: Lieber daheim als im Heim - Darum sind so viele Betten in Alterszentren leer - Bericht (Sonntagszeitung)
- 2022: "Ich habe viel über Logopädie und Physiotherapie gelernt." - Bericht einer pflegenden Angehörigen (Tagesanzeiger)
- 2021: "Betreutes und begleitetes Wohnen für ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen" - Bundesrechtliche Hürden für zeitgemässe Versorgungsstrukturen - (Rechtsgutachten)
- 2021: Gute Betreuung im Alter – Kosten und Finanzierung (Studie BSS)
- 2020: Betreuung von Seniorinnen und Senioren zu Hause - Bedarf und Kosten (Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie)
- 2019: Pflege und Betreuung 2035 – Braucht die Schweiz eine Pflegeversicherung? (Publikation Concordia)
- 2019: Betreutes Wohnen in der Schweiz (Studie im Auftrag von CURAVIVA Schweiz, senesuisse, Pro Senectute Schweiz, Spitex Schweiz)
- 2019: Situation von betreuenden Angehörigen von Personen mit Rückenmarksverletzung (Schlussbericht)
- 2019: Die Situation betreuender Angehörigen von Personen mit Rückenmarksverletzung (Kurzfassung)
- 2018: Folgestudie betreutes Wohnen - Kosten des betreuten Wohnens (Studie i.A. von CURAVIVA Schweiz, senesuisse, Spitex Schweiz, Association Spitex privée Suisse ASPS
- 2017: Stärkung der Langzeitpflege
- 2016: Versorgungsdichte 2016
- 2014: Betreuungszulagen und Entlastungsangebote für betreuenden pflegende Angehörige (schweizweite Bestandsaufnahmen von Careum und BASS)
- 2014: Übersicht zu drei exemplarischen Krankheiten sowie von Unfällen von Kindern bezüglich des Betreuungsaufwands der betroffenen Eltern ( Studie der Universität Bern)
- 2014: Betreuungsaufwand für Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Krebs in der Schweiz
- 2014: Bericht des Bundesrates zur Unterstützung für betreuende und pflegende Angehörige (Situationsanalyse und Handlungsbedarf für die Schweiz)
- 2014: Bericht des Bundesrates zur Unterstützung für betreuende und pflegende Angehörige (Situationsanalyse und Handlungsbedarf für die Schweiz)
- 2014: Zeitlicher Umfang und monetäre Bewertung der Pflege und Betreuung durch Angehörige (Studie Büro für Arbeits- und sozialpolitische Studien BASS)
- 2011: Unterstützung pflegender Angehöriger in den Kantonen (Studie der Universität Zürich)
- 2010: Pflegende Angehörige von älteren Menschen in der Schweiz (Schlussbericht)
- 2010: Pflegende Angehörige von älteren Menschen in der Schweiz (Zusammenfassung)
Finanzielle und andere Nachteile der Angehörigenpflege
Die Angehörigen, welche Betreuungs- und Pflegeleistungen zugunsten anderer Familienmitglieder erbringen, erleiden je nach dem zeitlichen Ausmass, wie sie helfend tätig sind, einen Erwerbsausfall, wenn sie entweder keine Erwerbstätigkeit aufnehmen oder ein Erwerbspensum reduzieren. Die unentgeltliche Betreuung und Pflege hat sodann zur Folge, dass die helfenden Angehörigen nicht über denselben Versicherungsschutz bei Krankheit, insbesondere bei einer Überforderung als Folge der Dauerbeanspruchung, oder Unfall verfügen, wie er vorhanden wäre, wenn es sich bei den helfenden Angehörigen um Arbeitnehmer des betreuungsbedürftigen Familienmitgliedes handeln würde.
Versicherte Personen, welche betreuungs- oder pflegebedürftig sind, erhalten zwar diverse Versicherungsleistungen (Hilflosenentschädigung, Intensivpflegezuschlag, Assistenzbeitrag etc.), doch besteht praxisgemäss keine Klarheit darüber, inwieweit unentgeltlich helfende Angehörige gegenüber dem Familienmitglied, das Versicherungsleistungen erhält, weil es hilfsbedürftig ist, einen Lohnanspruch geltend machen können. Es fehlt insoweit an einer ganzheitlichen Strategie, wie betreuende und pflegende Angehörige zu unterstützen sowie angemessen zu vergüten und versicherungsrechtlich abzusichern sind.
Der Bundesrat hat in seinem Bericht vom 5. Dezember 2014 festgestellt, dass betreuende und pflegende Angehörige besser unterstützt werden sollen. Deshalb hat der Bundesrat als Teil seiner gesundheitspolitischen Prioritäten Gesundheit 2020 den «Aktionsplan zur Unterstützung und Entlastung von betreuenden und pflegenden Angehörigen» verabschiedet. Der Kanton Glarus richtet an pflegende- und betreuende Bezugspersonen (für Online-Gesuch hier klicken) einen Beitrag von CHF 500.– monatlich als Anerkennung aus, wenn:
- die pflege- und betreuungsbedürftige Person im Kanton Glarus ihren Wohnsitz hat und nicht in einem Pflegeheim wohnt.
- für die Pflege und Betreuung aufgewendete Zeit der Bezugsperson durchschnittlich mindestens eine Stunde pro Tag über einen Zeitpunkt von 2 Monaten beträgt
- eine ärztliche Verordnung vorliegt.
Weitere hilfreiche Informationen:
- Versicherungsleistungen: Weiterführende Informationen zu Versicherungsleistungen betreffend die Angehörigenpflege
- Unterstützende Angebote für Pflegende Angehörige: Pflegende Angehörige: Hilfe für Ihre Mammutaufgabe
- BUCHTIPP: "Ich will deine Enge weit machen" - Gemeinsam auf dem Weg des Vergessens - Susi Streichenberg-Rietmann
- SRK Glarus Bildungskalender 2025: Bildungskalender